Und hinterher haben sie wieder von nichts gewusst!

von Dirk Jürgensen ...

Wer Faschisten auf den Leim geht, hat kein Verständnis verdient

 – „Aber“ ist das Unwort des Jahrzehnts. Ich will es einfach nicht mehr hören. So, wie ich auch von all diesem Verständnis nichts mehr hören will, von dem Politiker und im Fernsehen interviewte Fachleute angesichts der Vielzahl von Normalos auf diesen unsäglichen Pegida- oder Vokuhila-Demonstrationen schwafeln. Die Fremdenfeindlichkeit ist verabscheuungswürdig, „aber“ man müsse Verständnis für die Sorgen und Ängste dieser Menschen haben. Unfug!

Keinerlei Verständnis darf man haben!

Die Bekloppten des Islamischen Staates sind zu bekämpfen, keine Frage – gleichzeitig dienen sie hervorragend als Propagandamittel zur Radikalisierung nach Rechts. IS ist eine super Kampagne für die NPD und die Neo-Montagsdemonstranten merken das nicht? Ach was, niemand in Deutschland ist heute noch so ungebildet und so dumm, Faschisten so einfach auf den Leim gehen. Und wenn doch, dann darf es nicht vor Häme schützen.

Wo waren diese ängstlichen und sorgenvollen Wesen, als man Banken rettete und gleichzeitig Sozialetats kürzte? Wo ist diese furchtsame Mitte der Gesellschaft zu finden, wenn Millionen von Euro abgreifende Manager einmal mehr die Notwendigkeit von Entlassungen aufzeigen und über die Schädlichkeit von Mindestlöhnen dozieren? Wo demonstrieren diese armen Angstbürger, wenn ausgerechnet diejenigen, die sich Solidarität finanziell gut leisten könnten, aus dem Sozialsystem heraus schleichen und mehr Selbstverantwortung des Einzelnen fordern, um im Krankheitsfall oder im Alter einigermaßen versorgt zu sein?

Mit kurzem Nachdenken finde ich sicher noch viele andere Dinge, die in unserem Staat nicht richtig laufen, gegen die man auf die Straße gehen könnte und eigentlich auch sollte – doch ausgerechnet die vermeintliche Islamisierung unseres ach so geliebten Abendlandes motiviert Couch-Kartoffeln plötzlich zur öffentlichen Meinungsäußerung. Meinungsäußerung, dass ich nicht lache. Gemeinsam mit Hooligans, Neo- und Altnazis und stets im Geiste eines Sarrazin – das darf doch wohl mal gesagt werden – zeigt man sich europäischer Patriot und nennt das Meinungsäußerung.

Wer hat Angst vor der Hispanisierung Deutschlands

Weihnachten in fremder Sprache – Wer hat Angst vor der Hispanisierung Deutschlands?

Es ist halt immer einfacher, sich einen schwachen, zumindest etwas anders aussehenden Sündenbock oder auch Feind zu suchen. Da bieten sich die Ausländer, die Flüchtlinge und die Menschen anderen Glaubens (wer ist denn noch „hiesigen“ Glaubens? Ist das Christentum nicht auch nur ein Import aus dem Orient?) schnell an. „Halt!“ So wird man mir entgegen rufen. „Wir haben doch gar nichts gegen Ausländer, schon gar nicht gegen Flüchtlinge, aber …“ „Wir haben auch nichts gegen Moslems, wenn sie sich benehmen, aber …“ Und schon geht es wieder mit diesem „aber“ los. „Wir wollen nicht, dass dieser IS zu uns kommt und unseren Kindern die Köpfe abschneidet.“ Sicher, wer will das schon? Der allergrößte Teil der Moslems dieser Welt ganz sicher auch nicht.

In Deutschland gab es einst viele Menschen, die „nichts gegen Juden“ hatten, „aber“ … Diese Menschen „waren keine Nazis, aber …“ „Hitler (diese seltsame Einzelperson unserer dunklen Geschichte) hat Autobahnen bauen lassen, aber das mit den Juden war ein Fehler. Und wir haben von all dem nichts gewusst und schon gar nicht gewollt.“

Es lohnt nicht, sich über die unverbesserlichen Nazis zu wettern, die wie Rattenfänger agieren und mit kruden Parolen schlummernde Fremdenängste der Normalbürger wecken. Was viel schlimmer ist, ist die Dummheit, mit der diese Normalbürger in die gleichen Fallen wie die Generationen unserer Großeltern oder Urgroßeltern getappt sind. Doch das kümmert die demonstrierenden Spießer wenig und die von ihnen gerufenen Geister freuen sich über die neue Machtoption. Weihnachtslieder singend ins Deutsche Reich!

Hinterher würden sie im Notfall behaupten, DAS nun wirklich nicht gewollt zu haben oder von allem nichts gewusst zu haben. Ich werde mit ihnen kein Mitleid haben, denn schließlich sind auch die einfachsten Gemüter unter ihnen einst zur Schule gegangen. Und so klug, dass man sich nicht in die Hände der Faschisten begibt, sollte jeder seine Schule verlassen haben. Darüber nachzudenken, was ein unüberlegtes „aber“ bedeutet und dass die einstigen christlichen Werte Toleranz und Teilen hießen, würde vermutlich eine Überforderung bedeuten.