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Juli Zeh – Spieltrieb

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...
Juli Zeh – Spieltrieb

Sie hat einen Hang zum Verbotenen, so scheint es. Die Protagonistin Ada ist Schülerin an einem Gymnasium in Bonn. Sie gilt als Außenseiterin, ist intelligent und provokant. Dass sie sich überlegen fühlt, lässt sie ihr Umfeld spüren und legt sich mit dem Geschichtslehrer an. Sie schließt Freundschaft mit Olaf, einem Mitglied der Schülerband. Als sie diesen jedoch bloßstellt, zerbricht das Band zwischen ihnen. In ihrem zweiten Jahr auf dem Gymnasium erscheint ein neuer Mitschüler auf der Schule. Sie schließt sich dem drei Jahre älteren Alev an, bewundert ihn und liest, was er ihr an Lektüren weitergibt. Dazu gehört auch Material zur Spieltheorie, einer mathematische Annahme, bei der Entscheidungsituationen modelliert werden, in denen Teilnehmer miteinander interagieren. Ziel dieser Theorie ist es, Entscheidungen von Personen in Konfliktsituationen vorauszusehen. Ihr Experimentierfeld ist bald abgesteckt. Sie vergehen sich am Deutsch- und Sportlehrer Smutek, der Ada schon eine Weile allein beim Laufen begleitet. Ada hat dessen Frau vor dem Selbstmord aus einem See gerettet und wurde von Smutek anschließend nackt in eine warme Wanne gelegt. Ada verführt Smutek und das wöchentliche Stelldichein wird von Alev fotografisch dokumentiert. Smutek wird von Ada und Alev erpresst. Doch es kommt anders als gedacht.

Böse Bonny and Clyde-Geschichte. Leseempfehlung!

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Juli Zeh – Nullzeit

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...

Juli Zehs Roman „Nullzeit“ spielt auf der Urlaubsinsel Lanzarote. Berichtet wird einmal aus der Perspektive eines Tauchlehrers und aus der einer Urlauberin, die bei ihm und seiner Frau, die dort seit über einem Jahrzehnt gemeinsam eine Tauchschule mit angeschlossener Pension betreiben, Ferien macht. Die Urlauberin und ihr Mann verlieren sich in zerstörerischen Kämpfen. Der Tauchlehrer ergreift Partei und verliebt sich in die Urlauberin.

Juli Zeh – Nullzeit

Im Verlauf des Romans weichen die beiden Perspektiven – die Erzählung des Tauchlehrers und die Tagebucheintragungen der Urlauberin – immer mehr voneinander ab. Wir wissen nicht mehr, wer von beiden die Wahrheit erzählt.

Glänzend aufgebaut, spannend erzählt. Dicke Leseempfehlung!

Ergänzung und weil‘s mich so oft ärgert: Manch KritikerInnen vergreifen sich an Texten von Juli Zeh und lästern, es handele sich nicht um Literatur. Mir ist das ziemlich schnurz. Als ehemalige Buchhändlerin habe ich immer schon alles gelesen, was mir unter die Finger kam. Es galt, gut ist, was mir gefällt und das änderte sich, je nach Befindlichkeit, Alter und Lektüreerfahrung. Zwar gibt es auch bei mir gewisse Grenzen – wenn eine/r allzu sehr in die Klischee-Kiste greift, zum Beispiel – oder das Buch und ich einfach kein Paar werden wollen, ich mich nicht berührt fühle oder wenn es zu sehr aus der Zeit fällt, also beispielsweise ein Frauenbild wiedergibt, das mir gegen den Strich geht. Aber, wie Arno Geiger betont, man muss „mehr Alltägliches lesen, Zweitrangiges, Vorläufiges, Verworfenes“ und „das Alltägliche und Beiläufige zeigt uns … eher so, wie wir sind, nicht so wie wir gerne wären. Das Raue tritt in den Vordergrund, das unvermittelt Ehrliche, das Verzweifelte, das Niederträchtige, das Zärtliche, vermischt mit Unbeholfenheit“. Das hat mir sehr gefallen.

Juli Zehs Bücher bleiben dicht am Menschen. Ja, auch sie sind komponiert, bewusst konstruiert, auf ein Ziel aus und daher hinkt der Vergleich etwas. Was ich meine ist, es ist unnötig, Geschriebenes stets nur am Erreichen stilistischer Brillanz und Originalität zu messen. Nicht immer erfasst Hochliteratur, was Menschlichkeit ausmacht, verliert sich im intellektuellen Herumspinnen, liebt die Form mehr, als den Inhalt. Ja, Sprache kann LeserInnen Spaß machen. Das Handwerk kann begeistern. Ich schaue einer/m AutorIn gerne beim Jonglieren mit Worten zu. Die Geschichte aber, die erzählt wird, ist mindestens genauso wichtig. Dass mich ein Text im Innersten erreicht und in einen Dialog mit mir tritt. Hochgeistiges lässt viele Menschen zurück und es ist ein Unding, dass sich jene, die sich hier zugehörig fühlen, die die Techniken und Sprache dieser sogenannten Elite beherrschen, über alle anderen erheben. Wo ist ihre Fähigkeit zum Gespräch, zur Weitergabe ihres Wissens, über die üblichen Grenzen hinaus? Warum sehen sie nur Fehler, wo auch Essenz ist? Und warum ist ihre Sprache die alleinseeligmachende?

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Åsa Larsson – Sonnensturm und Weiße Nacht

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...

Die Schriftstellerin und Juristin Åsa Larsson wuchs in Kiruna, der nördlichst gelegenen Stadt Schwedens auf. In ihren Kriminalromanen um die Anwälting Rebecka Martinsson greift sie auf ihre Biographie zurück. Ich habe die beiden ersten Romane der Autorin gelesen, „Sonnensturm“ und „Weiße Nacht“. Sie hängen thematisch zusammen, denn beide bewegen sich im Bereich schwedischer, freikirchlicher Vereinigungen.

Åsa Larsson – Sonnensturm und Weiße Nacht

Im Band „Sonnensturm“ wird der charismatische Leiter einer Freikirche ermordet. Rebecka Martinsson wird von dessen Frau um Unterstützung gebeten und gerät dadurch mitten hinein in die Machenschaften der Kirche und ihrer Führer. In der Vergangenheit war sie selbst ein aktives Mitglied dieser Kirche, wurde von einem leitenden Mitglied geschwängert und trieb das Kind ab. Das Töten des Embryos ist in den Augen der Religionsführer ein Mord, der sie aus der Gemeinschaft ausschließt und das Leben am Ort Ihrer Kindheit unmöglich macht. Sie flieht in die Stadt und verliert gänzlich ihren Glauben. Als sie schließlich zurückkehrt, ist sie nach wie vor nicht bei allen willkommen. Sie findet Zuflucht im Haus ihrer Großmutter, das sie geerbt hat und Zuspruch durch den alten Nachbarn Sivving. Ihre Freundin wird des Mordes angeklagt. Rebekka, die sicher ist, dass sie nicht die Täterin ist, macht sich auf eine gefährliche Spurensuche.

Im zweiten Band „Weiße Nacht“ kehrt Rebekka, seelisch aufgerieben, durch die hinter ihr liegenden Erfahrungen wieder nach Kiruna zurück. Die Kommissarin Anna-Maria Mela beschäftigt sich da bereits mit einem zweiten Mord, den an der Pastorin Mildred. Und auch wenn Rebekka versucht, sich aus allem herauszuhalten, gerät sie auch dieses Mal wieder mitten hinein in den Sog aus Tod und Verderben.

Was mir besonders gut gefällt, ist, dass hier Frauen das Wort haben und den Ton angeben. Sehr schöne, unterhaltsame Krimilektüre!

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Virginia Woolf – Ein Lesebuch

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Virginia Woolf war eine der außergewöhnlichsten AutorInnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ihre Belesenheit veranlasste sie zunächst dazu, Rezensionen für diverse Zeitschriften zu verfassen, bevor sie sich der erzählenden Literatur zuwandte. Sie erfuhr Missbrauch durch einen ihrer Stiefbrüder in der Kindheit und frühen Jugend und erkrankte an einer bipolaren Störung, die schließlich dazu führte, dass sie sich, befürchtend, in eine neue Episode der Depression zu verfallen, das Leben nahm.

Virginia Woolf – Ein Lesebuch

Sie verfasste mit „Ein Zimmer für sich allein“ einen Text, der wegbereitend für die folgende Frauenbewegung sein sollte und noch heute nichts an Aktualität verloren hat. Selbst dann nicht, wenn man von der ein oder anderen Forderung ihres Buches nicht überzeugt ist. Allein die Tatsache, dass sie sich der Thematik zuwandte und Frauen in ihrem Streben, eine gesellschaftlich relevante Position anzunehmen, unterstützte, war zukunftsweisend. Ihre Rolle, die sie gemeinsam mit ihrer Schwester Vanessa und ihrem Bruder Toby bei der Gründung der Bloomsbury Group einnahm, ist revolutionär zu nennen. Innerhalb der Gruppe wurden gesellschaftliche Konventionen über Bord geworfen, Ansichten und Beziehungen neu definiert, neue Lebens- und Kunstformen etabliert.

Virginia Woolfs Sprache ist unverwechselbar. Bildreich und verwoben erinnern mich ihre Romane und ihre Kurzprosa zuweilen an eine fein ziselierte Stickarbeit auf hauchdünnem Gewebe. Manchmal gerät ein Regenschauer darauf oder jemand zieht daran, bis es einen Riss gibt, den man wieder flicken muss. Als gäbe es immer einen kleinen Misston im Hintergrund eines flüssigen Musikstücks, eine lauernde Gefahr im hohen Gras eines Sommers.

Ihre Essays bedienen sich einer ähnlichen Couleur. Sie sind fokussiert, gelegentlich ironisch und gespickt mit Anspielungen und Metaphern. In ihren Tagebüchern und Briefen nimmt sie Bezug auf ihr tägliches Leben, beschreibt Landschaften, Erlebnisse, Zweifel und Verzweiflung und bekennt, dass sich Außen- und Innenleben manchmal eklatant unterscheiden.

Das vom S.Fischer-Verlag zusammengestellte Lesebuch erschien bereits 2006, ist aber immer noch zu haben. Versammelt sind Auszüge aus ihren Romanen, Tagebüchern, Briefen und eine Auswahl ihrer Essays und Kurzprosa. So erhält man einen kleinen Einblick in ihr Gesamtwerk. Die Romane nur in Auszügen zu lesen, ergab für mich wenig Sinn. Für den ersten Eindruck ihres Schreibens sind sie sicher hilfreich. Allerdings nehmen sie fast die Hälfte des Buches ein. Das Lesebuch beginnt mit ihnen und so wird mancher Leser erst gar nicht bis zu den für dieses Format weitaus geeigneteren Texten gelangen, da die Unvollständigkeit enttäuscht. Wenn man sich damit zufrieden gibt, eine schöne Auswahl an Texten für den Einstieg vor sich zu haben, ist es genau dafür gut genug.




Karen Köhler – Miroloi

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...

Ich mochte das Buch, trotz seiner vorhandenen, nicht zu übersehenden Lücken und gelegentlicher Ungenauigkeiten.

Karen Köhler – Miroloi

Eine Frau lebt als Außenseiterin auf einer archaisch strukturierten Gesellschaft. In 128 Strophen wird ihr Leben als Namenlose erzählt. Männer dominieren Frauen, züchtigen und vergewaltigen in dieser von der sonstigen Welt völlig abgeschotteten Enklave. Weibliche Bildung darf nicht sein. Und doch schafft es jene Frau ohne Namen, das Lesen und Rechnen zu lernen und aus dieser Gesellschaft auszubrechen. Die Sprache der jungen Frau ist rudimentär und so ist auch die Sprache des Buches die ihre. Ihr Blick auf die Welt ist durchzogen von Brüchen, kindlicher Wahrnehmung und bis zum Schluss das Manifest einer Zurückgelassenen, Ausgestoßenen.

Leichte Unterhaltung mit einer interessanten Färbung.

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Jenny Lecoat – Die Übersetzerin

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...

Manchmal muss es was richtig schmalziges, ohne allzu großen Anspruch sein. „Die Übersetzerin“ von Jenny Lecoat ist so ein Schinken, den ich mir als Hörbuch auf der Fahrt zur Arbeit angetan habe.

Jenny Lecoat – Die Übersetzerin

Die Anschaffung als Buch lohnt wahrlich nicht, obschon die Geschichte ihren Zweck rundum erfüllt. Eine Prise Liebe, Suspense und Moral zum Würzen und ein bisschen Historie als Sahnehäubchen obendrauf – die Klischees sitzen, Gut und Böse sind klar erkennbar und natürlich gibt’s ein Happy End.

Hedy flieht als Jüdin, von den Nazis verfolgt, nach Jersey. Die Kanalinseln aber werden bald schon besetzt und so beginnt, nach anfänglichen Versuchen im Widerstand, ein Leben im Verborgenen, bis zur Befreiung. Warum allerdings der Verlag aus dem Originaltitel „Hedy’s War“ „Die Übersetzerin“ macht, ist nicht so recht nachzuvollziehen, da er simpel den Beruf der Protagonistin beschreibt, der für den Plot keine Rolle spielt.

Empfehlung? Nun ja – wenn man einen Abschaltknopf für die Krise braucht, ist die Geschichte, trotz der ernsten Historie, perfekt.

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Quentin Bell – Virginia Woolf

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Quentin Bell, Kunsthistoriker, Schriftsteller, Maler und Keramiker schreibt in dieser Biographie über Virginia Woolf, seine Tante. Er ist der Sohn der Malerin Vanessa Bell und des Kunstkritikers Clive Bell. Die Biographie entstand Anfang der 70er Jahre, als Bell in seinen 60ern ist.

Quentin Bell – Virginia Woolf

Nun kann man wohl keine Biographie am Tatsächlichen messen. Immer ist sie Interpretation eines Lebens, gemischt mit zusammengetragenen Fakten und Aufzeichnungen, hier zweifellos auch mit Erinnerung und persönlicher Wahrnehmung. Sehr oft habe ich mich gefragt, wie es gewesen wäre, hätte die Nichte die Biographie geschrieben. (Es gibt nicht nur ein Buch von Angelica Garnett, allerdings geht es in ihren Schriften um ausgewiesen persönliche Erinnerungen an Charleston House und das Leben in einer Künstlerfamilie.) So kann man beispielsweise das Verhältnis zu Vita Sackville-West auch aus konträrer Perspektive betrachten und ihm mehr Bedeutung geben. Das tut Bell nicht.

Auch der Missbrauch durch den Bruder in der Kindheit wird nur touchiert, nahezu verharmlost. Das tragische Ende im Selbstmord zitiert den Brief an den Ehemann und schließt damit.

Dennoch ein Buch, das viel Stoff liefert und die Lektüre lohnt. Die einseitig männliche Perspektive von jemandem, der 1910 geboren wurde, sollte man dabei im Hinterkopf behalten.

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Marianne Gilbert Finnegan – Das gab‘s nur einmal

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...
Marianne Gilbert Finnegan – Das gab‘s nur einmal

Marianne Gilbert Finnegans Buch „Das gab’s nur einmal“ über ihr Leben als jüdischer Flüchtling Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre in New York reizte mich sehr.

Jedoch enttäuscht das Buch: Es ist ein bisschen wie das Instagram-Account einer höheren Tochter mit Profilneurose. Es wird über den Sonntagsbraten und das Nähtalent der Mutter weit häufiger geredet, als über die politische Lage der damaligen Zeit.

Insgesamt nette Erinnerungen mit wenig Fundament, selbst bei dem Background.

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Nadja Bucher, Stephanie Mold, Angelika Slavik, Nikolai Soukup, Jörg Zemmler – Bevor ich sterbe

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...
Nadja Bucher, Stephanie Mold, Angelika Slavik, Nikolai Soukup, Jörg Zemmler - Bevor ich sterbe

Ein Hörbuch, bei dem ich zunächst gezögert habe. Das Cover ist grauenhaft und das Thema – Gespräche mit Sterbenden – kostete Überwindung. Und nun bin ich sehr froh, dass ich es höre.

Die Geschichten erzählen von den prägendsten Erlebnissen vieler Leben. Sie sind mal traurig, mal berührend, voller, prallem Leben und eine wunderschöne Hinterlassenschaft all dieser Menschen.

At the end we become stories…

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Martin Suter, Benjamin von Stuckrad Barre – Alle sind so ernst geworden

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...
Martin Suter, Benjamin von Stuckrad Barre – Alle sind so ernst geworden

Sie lassen sich über alles mögliche aus: Über Badehosen, die Aussprache von Ibiza, das Kochen, den Umgang mit Geld, sie lassen Siri ein Gespräch führen und erzählen von ihrem Umgang mit Drogen, sie sind verliebt oder lieben, sezieren Lückenfüller, den Teufel und Gott.

Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu beiden Autoren. Manches ihrer Bücher hat mich amüsiert, unterhalten oder betroffen gemacht. Manch anderes erregte meinen Widerwillen. Ich habe beide in Porträts oder Talk Shows erlebt und ein Promi-Bild von ihnen im Kopf, ein Vorurteil, das mitschwingt, wenn ich lese.

Die Zwiegespräche beider haben mich unterhalten, mich in meinen Vorurteilen bestätigt und erhalten den Zwiespalt aufrecht. Sei‘s drum.

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Maddalena Fingerle – Muttersprache

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...

Ich hatte mir mehr von Maddalena Fingerles „Muttersprache“ versprochen, in dem ein Junge, in Südtirol aufwachsend, ein sehr eigenes Verhältnis zu Sprache hat.

Maddalena Fingerle – Muttersprache

Paolo Prescher ist nahezu besessen von Wörtern. Für ihn hat Sprache Textur, Form und Farbe, wird synästhetisch wahrgenommen. Einige Wörter sind dreckig. Er hasst diese Wörter und jene, die sie gebrauchen. Sein Verhältnis zu Mutter und Schwester ist schwierig. Vor allem seine Mutter verschmutzt ihm die Wörter, aber nicht nur ihm, sondern auch dem Vater. Am Ehesten versteht er sich noch mit ihm, dessen Aphasie fast als Gabe und nicht als Krankheit erscheint. Paolo empfindet seine Mutter als unehrlich, seine Schwester als boshaft. In seiner Heimatstadt Bozen fühlt er sich nie zuhause, insbesondere, weil sie sich nicht auf eine Sprache verständigen kann und mit ihrer Zweisprachigkeit zu hofieren scheint. Doch der Vater bringt sich um, der Sohn geht nach Deutschland und alles ändert sich mit Mira. Oder doch nicht?

Kein schlechtes Buch. Ein Favorit wird es trotzdem nicht.

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Leonieke Baerwaldt – Hier komen wij vandaan

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Dieses Buch „Hier komen wij vandaan“ von Leonieke Baerwaldt gibt es noch nicht in Übersetzung. Es ist derzeit nur auf Niederländisch verfügbar.

Leonieke Baerwaldt – Hier komen wij vandaan

Eine Mutter und eine Tochter – offenbar Abkömmlinge von Seejungfrauen – beginnen ein menschliches Dasein, ein Fabrikarbeiter träumt seit jeher davon, ein tropisches Aquarium zu bevölkern und einen Fischladen zu betreiben, ein Liebespaar wohnt in einem Wohnwagen und will zusammen ein Haus bauen, die kleine Seejungfrau wird mit der harten Wirklichkeit konfrontiert.

Leonieke Baerwalds Buch bedient sich an Motiven aus H.C. Andersens „Die kleine Meerjungfrau“ und Grimms „Der Fischer und seine Frau“. Drei Erzählstränge, drei evolutionäre Schicksale, die am Ende ineinanderlaufen und eine Atmosphäre zwischen Märchen und Alb kreieren.

Ein gutes Buch? Ein eigenartiges, verstörendes… irgendwie.

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Leone Ross – This One Sky Day

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...

Leone Ross‘ Buch „This One Sky Day“ ist ein Buch, das ich nach der Hälfte weglege. Es ist zu „abgedreht“ für mich.

Leone Ross – This One Sky Day

Alle Handelnden haben übersinnliche Fähigkeiten, schöpfen aus dem kollektiven Gedächtnis. Der eine spürt die Geschmäcker seiner Mitmenschen und vergeht vor Schuld und Trauer, weil sich seine Frau umgebracht hat. Er wir Macaenus und lernt von seiner Vorgängerin das Kochen. Eine andere spürt Krankheiten und kann heilen, ein Dritter weiß, ob jemand lügt und so weiter und so fort. Man gibt sich Ritualen hin und verspeist Schmetterlinge oder Motten als Droge….es gibt Kulte und Rituale, Herrscherhaus und Herkunft mit Verpflichtung, Erwartungen und Aufstand….

Alles in allem, trotz einer gewissen Grundspannung not my cup of tea.

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Jan Siebelink – Im Garten des Vaters

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...

Mit Jan Siebelinks „Im Garten des Vaters“ tat ich mich schwer. Ich habe es vor gut 35 Jahren im Original (Knielen op een bed violen) begonnen und zur Seite gelegt.

Jan Siebelink – Im Garten des Vaters

Die deutsche Version entstammt einem Bücherschrank und ich gab dem Buch noch eine Chance. Vergeblich. Vielleicht, weil mich der Inhalt allzu sehr an ähnliche Verführungen von Menschen in unserer Zeit erinnert, die Verschwörungsmythen anheimfallen und mit Argumenten nicht mehr zu erreichen sind. Solchen, die von stetigem Misstrauen und apokalyptischen Ängsten verfolgt werden. Vielleicht ist es aber auch nur die unerträgliche Frömmelei und Scheinheiligkeit (im wahrsten Sinn) der Figuren, die mich rasend macht.

Hans Sievez flieht als Jugendlicher aus der Enge seines Dorfes, in dem seine Jugendliebe Margje zurückbleibt, bis er sie nach einer Ausbildung als Gärtner zu sich in die Stadt holt. Dort macht er sich bald selbstständig und lebt mehr schlecht als recht mit seiner kleinen Familie von den spärlichen Einkünften, obschon er großes Talent für seinen Beruf zeigt. Ihrer beider Liebe trägt sie zunächst. Schon während seiner Lehre begegnet Hans dem Prediger einer streng protestantischen Sekte, Jozef Mieras, der freundlich und zugleich verschlagen wirkt. Doch kann er sich seinem Charisma nicht entziehen. Er verfällt seinen religiösen Bekehrungsversuchen und macht eine vermeintliche Erweckungserfahrung. Von nun an fühlt er sich von Gott persönlich auserkoren und verliert mehr und mehr die Wirklichkeit aus dem Blick, isoliert sich zunehmend von anderen, vor allem von seiner Frau und seinen Söhnen. Das geht nicht gut aus.

Was soll ich sagen? Wer’s mag… ich nicht.

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Charles Dickens – Great Expectations

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...
Charles Dickens – Great Expectations

Die schöne Ausgabe von „Great Expectations“ habe ich vor einigen Jahren in Utrecht gekauft. Detailreich und mit Brillanz führt Dickens den Leser in die dampfenden, lauten und schmutzigen Straßen Londons, in neblige Moorlandschaften, neben Amboss und Schenkentisch und lässt das Schicksal vom Sohn des Hufschmieds, der zum Edelmann wird und schließlich Läuterung erfährt, leuchten.

Die Moral, der diese Läuterung zugrunde liegt, tritt etwas allzu deutlich zum Vorschein und wirkt aus heutiger Sicht verstaubt. Aber schön war’s doch.

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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Benedict Wells – Spinner

von Maria Jürgensen (Marie van Bilk) ...
Benedict Wells – Spinner

Die Geschichte ist einigermaßen unterhaltsam, aber für Benedict Wells Buch „Spinner“ bin ich vielleicht einfach zu alt.

Am Rande, kratzend an der Oberfläche, geht es auch um Depression, jedoch so lapidar, dass Wells das Thema genauso gut hätte weglassen können.

„Spinner“ ist ein Coming-of-age-Roman. Seine Hauptfigur verharrt erstarrt nach dem Selbstmord des Vaters als Schreiberling in Berlin, verliebt sich unglücklich und verzweifelt, bis der lichte, alles verändernde Moment kommt, am Leben. Alles ist Ziellosigkeit und Lüge und schließlich Horizont und Wahrheit. War mir too much. Mag aber trotzdem was für Menschen sein, die vierzig Jahre jünger sind als ich.

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

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