Wer schreibt die Gesetze?

von Dirk Jürgensen ...

Ein sicheres Zeichen dafür, dass die Politik ihre Gestaltungshoheit im Sinne der Bürger und vielfach auch im Sinne ihrer Parteiprogramme aus der Hand gegeben hat, ist die immer wieder zu beobachtenden Fremdvergabe bei der Formulierung von Gesetzesentwürfen. Wenn die Tabakindustrie den Nichtraucherschutz, die Rüstungsindustrie den Verteidigungshaushalt beeinflusst und der BDI (Bundesverband der Deutschen Industrie e.V.) Entwicklungshilfe in ihrem Sinne verstehen hilft, treten die Interessen der Wählerinnen und Wähler immer weiter in den Hintergrund. „In einem neuen Fall“, so die Initiative LobbyControl, „soll es um die Elternzeit-Vertretung einer Mitarbeiterin im Ministerium gehen und um das Anfertigen von ‚Vermerken und Reden für die Hausleitung‘ (also letztlich Gesundheitsminister Daniel Bahr, FDP).“

Lobbyismus gibt es schon seit vielen Jahren, doch hatte man in Deutschland noch nie wie in diesen Monaten und Jahren der schwarzgelben Regierung so sehr das Gefühl, Teile des Kabinetts säßen in den Konzernzentralen – oder umgekehrt. Hätte es mit dem Atomausstieg sonst so lange gedauert?

Vor den nächsten Wahlen sollten wir also unbedingt prüfen, es zumindest versuchen zu prüfen, wem sich die oder der zu wählende Abgeordnete, wem sich ihre oder seine Partei tatsächlich verpflichtet fühlt! Es geht dabei nicht um temporäre Schwankungen, wie es beispielsweise jetzt die um ihr Überleben kämpfende FDP vollzieht. Richtungen und politischer Wille ist kein Ding von Kurzfristigkeit.

Übrigens ist der Wahlverzicht als Protesthandlung unsinnig. Ihn verkraften ausgerechnet die Lobbyisten am besten.




Schlimme Dienstleisterwerbung

von Dirk Jürgensen ...

„Versichern heißt verstehen,“ sagt ein Versicherungskonzern in seiner Werbung. Nein, Versichern heißt, ohne sich hinter Kleingedrucktem zu verschanzen, schnell und vollständig zu zahlen, wenn der Versicherungsfall eintritt.

Ich will auch keine Bank, die mich versteht, ich will eine, die mir möglichst hohe Zinsen auf mein Guthaben zahlt, möglichst geringe Zinsen und Gebühren verlangt, falls ich einen Kredit brauche, schnell, möglichst kostenlos und unbürokratisch Aufträge ausführt und ansonsten zuverlässig arbeitet. Dabei ist mir auch völlig egal, ob die erbrachte Leistung durch Leidenschaft oder nur aus Gewinnstreben erfolgt. Leidenschaft macht nicht satt. Weder mich noch Herrn Ackermann.

Ebenso halte ich eine Werbung für abschreckend, in der ein zutiefst unsympathischer Zeitgenosse, dem einer abgeht, wenn er einen Geldschein in die Hand nimmt, behauptet, einmal nicht an Geld zu denken, sei höchstens etwas für Karpfen. Wäre ich Kunde einer in dieser Art werbenden Bank, wäre ich es die längste Zeit gewesen.

Auch soll mir mein Stromlieferant nicht erklären, wie das denn so mit den erneuerbaren Energien funktioniert, sondern mir garantieren, dass er sein Geld nur mit erneuerbarer Energie verdient, diese weiter ausbaut und in die Entwicklung eines dezentralen Netzes investiert.

Ich will in Verbindung mit Tarifen, egal ob es sich um Energie, Telefon oder Versicherungen handelt, das Wort „einfach“ nicht mehr hören oder lesen. Immer, wenn etwas „einfach“ genannt wird, ist genau das Gegenteil der Fall, ist es viel zu kompliziert, mit verstecken Tücken und Kosten behaftet und so verwirrend, dass nicht einmal mehr der Verkäufer sein Produkt versteht. Immer, wenn das Wort „einfach“ in einer Werbeaussage auftaucht, spüre ich fast körperlich die Verarschung.

Gelogen oder zuviel versprochen wurde in der Werbung zu allen Zeiten. Da muss man sich nicht aufregen, denn das ist immer dann der Fall, wenn man etwas verkaufen will und dabei einsieht, dass die Konkurrenz eigentlich die besseren Produkte hat. Dienstleistern, ihnen gilt mein Rat besonders, würde es helfen, in diesem Sinne zu überlegen, welchen Dienst sie dem Kunden leisten, wenn sie ihn denn überhaupt noch leisten.

Vielleicht ist es ja ein Zeichen von Resignation auf der Angebotsseite, wenn man von den Eigenschaften seines Produktes oder seiner Dienstleistung ablenkt, anstatt damit Werbung zu betreiben?

Mir könnte diese Frage als Verbraucher grundsätzlich egal sein, wenn ich der zunehmend bescheuerten und verfehlten Dienstleisterwerbung (s.o.) besser ausweichen könnte.




Das vergoldete Zeitalter bleibt aktuell

von Dirk Jürgensen …Mark Twain hätte am 30.11.2014 seinen 179. Geburtstag feiern können. Doch der Halleysche Komet, der bereits zu seiner Geburt erschienen war, holte ihn pünktlich bei seinem nächsten Erscheinen zurück. Mark Twain hatte das längst geahnt. Ob er auch ahnte, wie wenig sich die menschliche Gesellschaft bis in unsere Tage ändern sollte? »Das vergoldete Zeitalter« hätte er heute jedenfalls gut und gerne noch einmal schreiben können. Welche Wirkung hätte das wohl haben können? Man kann nur spekulieren

Nach nunmehr 134 Jahren zahllos zerplatzter und vor all den in der Zukunft noch zerplatzenden Spekulationsblasen liegt nun endlich wieder eine deutschsprachige
Ausgabe von »The Gilded Age – A Tale of Today« vor. Als Grundlage dieser Neuausgabe diente die von Moritz Busch übersetzte und bereits 1876 in der Reihe »Amerikanische Humoristen« bei Fr. Wilh. Grunow in Leipzig erschienene Fassung. Diese wurde vom Herausgeber sanft modernisiert und an erforderlichen Stellen korrigiert. Er spekuliert mit der Veröffentlichung, das darf a dieser Stelle verraten werden, übrigens auf »Ozeane und Ozeane von Geld«

Das Werk ist über Amazon und anderswo zu bestellen. Oder fragen Sie einfach im örtlichen Buchhandel nach der ISBN 978-3-83918-446-2.

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