Welche Alternative eigentlich? Da verlierste hinterher immer.

von Dirk Jürgensen ...

Ein Thekengespräch über die AfD

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Mann 1: Jupp, mach mal ganz schnell zwei Bier.

Mann 2: Aber auf meinen Deckel. Mein Kumpel macht ja ein Gesicht wie sieben Tage Regenwetter. Was ist denn los?

Mann 1: Ach, waren doch wieder Wahlen im Osten. Mittlerweile machen die mir mit ihren Wahlerfolgen richtig Angst.

Mann 2: Wer?

Mann 1: Die von der AfD.

Mann 2: Von wem?

Mann 1: Von der AfD, Alternative für Deutschland, diese irgendwie Rechten und irgendwie radikal neoliberalen Marktverherrlicher.

Mann 2: Ach die. Das Neoliberale hat auch die FDP sterben lassen. Das will niemand mehr. Hat auf Dauer keine Chance. Und was das Rechte bei denen angeht, … Ich glaube, so schlimm sind die gar nicht.

Mann 1: Wie kommst Du denn da drauf?

Mann 2: Ist doch ganz einfach. Die können sich doch nicht Alternative für Deutschland nennen, wenn sie hintenrum nur Deutschland, Deutschland über alles wollen. Mit dem Namen können die keine Nazis sein.

Mann 1: Versteh‘ ich nicht.

Mann 2: Ist doch ganz einfach. Die wollen oder versprechen uns eine Alternative für Deutschland. Und das kann dann logischerweise nicht Deutschland sein. Sondern ein anders Land.

Mann 1:  Häh, wie jetzt?

Mann 2:  Denk‘ mal an deinen Urlaub. Fährste da immer in Deutschland rum?

Mann 1:  Natürlich nicht. Bei dem unsicheren Sommerwetter.

Mann 2:  Eben. Du findest eine Alternative und die ist …?

Mann 1:  Meistens Mallorca, also Spanien. Da scheint immer die Sonne, die Leute sind viel entspannter als bei uns und überhaupt, … Wenn ich in zehn Jahren so weit bin, lass ich mir die Rente da hinschicken. Ich war auch schon mal in der Türkei, aber da habe ich das Essen nicht vertragen.

Spanien, eine Alternative für Deutschland? - Foto: © Jürgensen - Düssseldorf

Spanien (Mallorca), eine Alternative für Deutschland?
Foto: © Jürgensen – Düssseldorf

Mann 2:  Siehste.

Mann 1:  Was sehe ich?

Mann 2:  Dass Du ne Altenative für Deutschland kennst. Und die heißt in Deinem Fall Spanien.

Mann 1:  Und so eine Alternative für Deutschland will uns auch die AfD bieten?

Mann 2:  Vermutlich. Ich habe deren Parteiprogramm nicht gelesen, aber dem Namen nach wollen die uns immerhin eine Alternative bieten. Und die sollte doch vermutlich nicht schlechter als Deutschland sein. Wäre dann ja keine Alternative.

Mann 1:  Vielleicht Holland?

Mann 2:  Wieso Holland?

Mann 1:  Die machen bessere Pommes als der Jupp und haben super Strände. Wir fahren auch immer nach Venlo und kaufen Kaffee. Der ist da billiger. Holland wäre auch schon eine Alternative. Außerdem haben die tolle Radwege. Meine Frau und ich fahren doch in der letzten Zeit mehr mit dem Rad. Will die AfD die Radwege ausbauen. Wäre doch ein Anfang?

Mann 2:  Weiß ich nicht. Aber wenn man bedenkt, wie viele Deutsche ständig ins Ausland reisen, gibt es eine Menge Vorstellungen, wie eine Alternative zu dem aussehen könnte, das wir hier ständig erleben. Frankreich, Wein, savoir-vivre, gutes Essen, schöne Frauen. Italien, Pizza, Pasta, Amore. Einmal mit dem Finger durch den Atlas und man hat tausend Alternativen für Deutschland.

Mann 1:  Ist ja gut, aber kommen die denn mit ihren Vorstellungen überhaupt durch? Demnächst kommt es sicher zur ersten Koalition mit der CDU.

Mann 2:  Sicher nicht.

Mann 1:  Und warum?

Mann 2:  Die Merkel gibt denen einen unbedeutenden Ministerposten und sagt dann ganz einfach: Deutschland ist alternativlos. Und Ende mit der AfD.

Mann 1:  Ist vielleicht auch besser so, denn die wollen auch den Euro abschaffen. Dann wird das bestimmt hinterher schwieriger mit meiner Rente.

Mann 2:  Schwieriger?

Mann 1:  Ja, denk doch mal an die elende Umrechnerei in Peseten. Da verlierste hinterher immer.

Mann 2:  Jupp, noch zwei Bier!