Angetäuscht – Vorm Tor

Otto nimmt’s persönlich

An Tagen wie diesen

Bis zu jenem Tag hätte jemand, der ihn hätte beschreiben sollen, die Schultern gezuckt, sich am Kopf gekratzt und geschwiegen. Er hätte vielleicht auch geäußert, nicht zu wissen, wer Otto sei, selbst wenn er ihm täglich über den Weg lief, seinen Namen kannte, knappe Floskeln wie „Guten Morgen“ mit ihm austauschte, vielleicht sogar ein kleines Gespräch mit ihm führte oder ihm skeptisch prüfende Blicke schenkte. Otto war, trotz seiner Körpergröße von beinahe zwei Metern, seiner fast schwarzen Augen und einem Oberkörper von beachtlich muskulösem Umfang, unscheinbar. Weiterlesen

 

Ich mag Fußball und ich bin eine Frau

Von der schönsten Nebensache der Welt

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© Foto: Dirk Jürgensen

Ich mag Fußball und ich bin eine Frau. Wenn Fortuna Düsseldorf spielt, wird der rot-weiße Schal eingepackt, das Fahrrad geputzt und eine Stunde vor dem Spiel sitze ich, im Stadionmagazin lesend, bereits auf meinem Platz. Ich hoffe jedes Mal, dass ich endlich auf Gut Knittkuhle essen darf, doch das Los, das jeweils vor Spielbeginn gezogen wird, fällt ständig auf eine Sitznummer in der Familienkurve. Jedenfalls kommt es mir so vor. Für nicht eingeweihte Fußballmuffel: In der Familienkurve befinden sich die Plätze, auf denen man nicht krümeln und schon gar keine Zigaretten rauchen darf, außerdem steht „AOK“ an der Bande vor den sich zum Teil direkt am Spielfeldrand befindlichen Plätzen. Die können den Schweiß des Torwarts noch riechen, müssen sich aber ordentlich benehmen. Schließlich schauen ihnen ihre Kinder beim Fußballgucken zu. Heißt ja Familienblock und ist auch einer. Die Knirpse werden schon früh mit der Jagd nach dem Erfolg vertraut gemacht. Eingefleischte Fans nehmen ihre Racker auch auf die Tribüne mit. Dort entsteht seit Generationen eine Vater-Sohn Beziehung, die die Kinder prägt. Inzwischen ist es gar eine Vater-Kind Beziehung, die hier Wurzeln schlägt. Auch Töchter gehen mit Papa zum Fußball. Immer häufiger sind die Mütter mit von der Partie. Weiterlesen