Mimis Verhöre: René Appel

Ein Interview mit dem niederländischen Krimiautor

4cb0d6bdbc2acac73b289a835752b299René Appel, Jahrgang 45 gehört zu den bekanntesten Autoren des niederländischen Kriminalromans. Seine Krimis sind anders …. spannend, bedrückend und berühren unser Innerstes, weil sie immer wieder von Menschen berichten, die wir selbst sein könnten; von solchen, die neben uns im Büro sitzen, beim Bäcker die Brötchen holen oder unsere Kinder unterrichten. Sie lassen uns nicht los, seine Geschichten.

Zunächst Lehrer und Dozent für Sprachwissenschaften, rezensierte Réne Appel beim NRC Handelsblatt die Krimis seiner zukünftigen Kollegen, bis er schließlich Ende der 80ger Jahre selbst zur Feder griff. Inspiriert wurde er von Autorinnen wie Ruth Rendell und Patricia Highsmith. Leider sind nur insgesamt vier Romane und zwei Kinderbücher von ihm ins Deutsche übersetzt. Es bleibt zu hoffen, dass es weitere pfiffige Verleger geben wird, die auf diesen Autoren aufmerksam werden. Für Einseitig.info hatte Marie van Bilk die Gelegenheit, den Autor zu seinem Werk zu befragen.

Herr Appel, Sie schreiben seit Ende der 80ger Jahre Kriminalromane, inzwischen 19 an der Zahl. Was reizt Sie an diesem Genre?

Es ist spannend und interessant, sich eine Geschichte über ein menschliches Problem auszudenken oder über einen sozialen Konflikt zu schreiben und das so zu tun, dass Leser wissen wollen… nein unbedingt wissen müssen, wie es ausgeht. Die Art von Geschichten, die ich erzähle, könnte man sicher auch in eine pure literarische Form gießen, aber dann würde oft das Element der Spannung fehlen…. indessen … ich halte gerade das für eine wichtige Eigenschaft eines verlockenden, lesenswerten Buches. Hinzu kommt, dass ich nach dem Schreiben meiner ersten Bücher festgestellt habe, dass das Genre mir „passt“, dass ich mich hier zu Hause fühle und dass ich gerade darum auch gerne Thriller schreibe.

Vier Ihrer Romane, „Tweestrijd“, „Zinloos geweld“, „De derde persoon“ und „Geweten“ sind ins Deutsche übersetzt worden, außerdem zwei Ihrer Kinderbücher. Wie ist es zu den Übersetzungen gekommen und warum sind es gerade diese vier Romane geworden?

Zum Teil ist das einfach Zufall. Ein neuer deutscher Verlag, der Twenne Verlag, wollte sich auf niederländische Literatur spezialisieren und so kam es zur Übersetzung des ersten Buches. Ich weiß nicht, wie es passiert ist, aber irgendwie kamen sie auf meinen Roman „De derde persoon“ (Mord in der dritten Person); vielleicht, weil ich damit 1991 den Gouden Strop, den Preis für den besten niederländischen Kriminalroman gewonnen hatte. Beim nächsten Buch – Geweten – (Gewissen, übersetzt als Tod am Leuchtturm) war es anders. Ein guter Freund von mir kam mit dem Verleger des Hanserverlages ins Gespräch und der fragte ihn, ob er nicht ein paar gute niederländische Bücher wüsste, die es wert wären, ins Deutsche übersetzt zu werden. Mein Freund nannte ihm daraufhin mein Buch. Letztendlich ist Tod am Leuchtturm dann von Nagel & Kimchee, dem schweizerischen Ableger des Hanserverlages, publiziert worden. Die haben damals auch meine beiden Kinderbücher herausgebracht.

Sie haben den Tod Pim Fortuyns zum Anlass genommen, einen Roman mit dem Titel „Doorgeschoten“ (Mit Schüssen durchbohrt) zu schreiben. Auch Tomas Ross hat sich des Themas angenommen und in einem Roman verarbeitet. Was verbindet und was unterscheidet Ihre Ansätze für Ihre Romane und was veranlasste Sie, dieses Thema zu wählen?

Zuerst zum zweiten Teil der Frage… Ich habe mich einfach für dieses Thema entschieden, weil ich eine „Idee“ hatte, dazu noch folgendes: Bald nach dem Mord an Fortuyn sagten einige Mitstreiter, die Kugel sei von links gekommen, mit anderen Worten, linke Politiker seien verantwortlich für den Mord gewesen. Damals überlegte ich mir: Stell Dir vor, die Kugel wäre von rechts gekommen…. Hier habe ich weiter gemacht.

Der große Unterschied zum Buch von Tomas Ross ist, dass er ein „Faction-Buch“ geschrieben hat, mit anderen Worten, ein Buch, das die Wirklichkeit (die Fakten) zum Ausgangspunkt nimmt und folglich auch eine Anzahl von Unklarheiten mit einfügt, die in Zusammenhang mit dem wirklichen Geschehen auftreten… oder auch offene Fragen mit Hilfe der Fantasie (Fiktion) beantworten. Sein Buch ist, was das betrifft, gleichsam realistischer als meines.

Ein Unterschied zwischen unseren Büchern ist übrigens auch, dass der populistische Politiker in meiner Geschichte viel unsympathischer ist als der Politiker – also Pim Fortuyn – bei Tomas Ross. Ferner sind in der Ausarbeitung auch eine Reihe von Divergenzen in Zusammenhang mit dem grundsätzlichen Unterschied zwischen der Fiktion meines Buches und der Faction im Buch von Tomas Ross festzustellen.

Ihr vor kurzem erschienener Roman „Loverboy“ bedient sich einer zweispurigen Erzählweise der besonderen Art. Mögen Sie uns mehr über den Roman und diese besondere Perspektive erzählen?

De facto habe ich bei Loverboy – ist leider noch nicht ins Deutsche übersetzt – von einer sehr oft benutzten Technik Gebrauch gemacht, nämlich von der Geschichte in der Geschichte. In Loverboy ist Yoka Kamphuys die Hauptperson. Sie schreibt Krimis, in denen eine feste Hauptperson, die Detektivin Anouk Akkerman, vorkommt. Diese Anouk muss im Rahmen eines Auftrags einen verschwundenen Teenager, Shana, ausfindig machen. Passagen aus dieser Kriminalgeschichte lesen wir auch in Loverboy, wo es vor allem um Yoka geht, die irgendwann entdeckt, dass ihr Mann eine Geliebte hat – etwas, das sie absolut nicht akzeptieren kann. Aber mehr erzähle ich auch nicht! Das sollen die Leute lieber selber lesen! Wichtig ist aber noch, dass beide Geschichten, die Rahmenhandlung um Yoka und die integrierte Geschichte um Anouk, irgendwann miteinander verwoben werden.

Sie arbeiten derzeit an einem neuen Roman mit dem Titel „Los Geld“ (Kleingeld). Bei einem Kriminalroman liegt die Assoziation zu „Losgeld“ (Lösegeld) nahe. Auch bei anderen Titeln Ihrer Bücher arbeiten Sie mit der Zweideutigkeit der Begriffe im Niederländischen. Ist das gewollt? Hat das einen Hintergrund?

Ich verwende ganz sicher doppeldeutige Worte. In den meisten Fällen ist diese Doppeldeutigkeit auch wichtig, wie z.B. bei meinem Buch „Tweestrijd“. Ins Deutsche wurde das übersetzt mit „Rachsucht“ – auf den deutschen Titel habe ich keinen Einfluss. „Tweestrijd“ bedeutet soviel wie Dilemma, aber es bedeutet im weiteren Sinne auch „Streit zwischen zwei Personen“. Bei diesem Buch passen beide Bedeutungen.

Für „Los Geld“ existieren tatsächlich drei Bedeutungen, nämlich Kleingeld, Lösegeld aber auch Geld, das locker sitzt.

Sie recherchieren auch für Ihren neuen Roman viele Hintergründe, so beschäftigen Sie sich z.B. hier mit der Berufsgruppe des Immobilienmaklers. Ist es Ihnen wichtig, hier sehr präzise zu sein? Wie nutzen Sie diese Hintergründe zur Darstellung Ihrer Personen?

Ja, es ist immer gut, viel Recherchearbeit im Hinblick auf Berufe und so weiter zu betreiben. So lernt man viel über die Abläufe, die Terminologie und das tägliche Ausfüllen des Alltags der Figuren. Während der Phase der Recherche lerne ich die Figuren gleichsam ein bisschen kennen. Davon mache ich Gebrauch, wenn es dann letztendlich ans Schreiben geht.

Auch ein Theaterstück „Recht van Overpad“ ist in Arbeit, das demnächst in Den Bosch zu sehen sein wird. Wie unterscheidet sich die Arbeit an dem Stück von Ihrer Arbeit an einem Kriminalroman?

Ein großer Unterschied besteht darin, dass hier nicht nur das Wort existiert, wie in einem Buch, sondern auch das Bild, das Spiel der Schauspieler, die Dekoration und so weiter. Für ein Theaterstück gilt, genauso wie für den Film, der berühmte Hollywood-Ausspruch:

„Show, don´t tell“.

Ferner haben Leser ihr eigenes Tempo beim Lesen und der Verarbeitung einer Geschichte. Das ist bei einem Theaterstück nicht der Fall. Ein sehr praktischer Unterschied besteht daran, dass man bei einem Theaterstück beschränkt ist, wenn es zum Beispiel um die Anzahl der Figuren geht. Das hat man so bei einem Roman in viel geringerem Maße.

Ihr Buch „Tweestrijd“ wird demnächst verfilmt. Sie arbeiten an dem Drehbuch. Bekommen Ihre Charaktere durch die Veränderung ein anderes Gesicht oder werden sie konkreter, lebendiger für Sie?

Wenn es erstmal ein Film geworden ist, werden sie in gewisser Hinsicht realistischer oder konkreter, aber in der Phase des Szenarios sind sie größtenteils – oder sogar gänzlich – dieselben wie im Buch. Dass sie im Film realistischer werden, hat natürlich auch Nachteile: Sie erscheinen anders, als der Leser sie sich vorgestellt hat. Bis zu einem gewissen Punkt blockiert der Film die persönliche Fantasie des Zuschauers.

Glauben Sie, der Niederländische Kriminalroman hätte mehr Popularität in Deutschland verdient? Warum?

Diese Frage ist schwer zu beantworten, weil ich nicht viel weiß über die durchschnittliche Popularität des niederländischen Kriminalromans. Es ist auch schwer zu sagen, was der niederländische Kriminalroman eigentlich ist. Aber ich denke, dass in den letzten 10 Jahren innerhalb des Genres immer bessere Bücher geschrieben wurden und dass das im Ausland oft unzureichend erkannt oder anerkannt wird.

Zu Ihren Lieblingsautoren gehören Ruth Rendell und Patricia Highsmith als Meisterinnen des psychologischen Kriminalromans. Aber auch in den Niederlanden recht unbekannte Autoren wie Elmore Leonard und George Pelecanos sind für lesenswert. Von George Pelecanos vor allem „The big blowdown“. Was fasziniert Sie an diesem Buch? Welche Stärken und Schwächen haben diese Autoren Ihrer Ansicht nach?

Bei Elmore Leonard fand und finde ich den Stil gut, das Direkte, die sozialen Räume, die er skizziert. Wenn man da als Leser einmal drin ist, gibt es kein Entkommen mehr. Leonards Dialoge gehören zum Besten, was das Genre zu bieten hat. Er weiß Menschen ausgezeichnet über deren Sprachgebrauch zu charakterisieren. Aber… wenn man viel von ihm liest, scheint das irgendwie wieder künstlich zu werden und es drängen sich Klischees und Stereotypen auf. Also: Lies Leonard, aber in Maßen!

Was Pelecanos betrifft: Ich habe vier Bücher von ihm gelesen und finde eigentlich nur The Big Blowdown gut. Gekonnt ist, dass er eine interessante Kriminalgeschichte mit einer sozialkritischen über eine griechische Immigrantengruppe aus Washington zu verflechten weiß. Diese Geschichte verblüffte mich, vor allem auch deswegen, weil Pelecanos es wagt, die Geschichte nicht gut ausgehen zu lassen.

Welche Niederländischen Autoren gehören zu Ihren Favoriten und warum?

Bei Krimiautoren habe ich keine wirklichen Favoriten, aber ich schätze das Werk von Tomas Ross, Jac Toes und Chris Rippen. Warum? Ja, weil sie im Allgemeinen gute, überzeugende Kriminalgeschichten erzählen. Über jedes ihrer Bücher wäre etwas zu sagen, aber das würde hier zu weit führen.

Viele Niederländische Autoren möchten sich nicht unter Kriminalliteratur eingeordnet wissen und bestehen, wie Tim Krabbé oder Maarten t´Hart darauf lediglich „spannende Bücher“ zu schreiben. Ist diese Unterscheidung notwendig?

Die Unterscheidung zwischen Kriminalliteratur und „echter“ Literatur ist eigentlich nicht nötig, aber bis zu einem gewissen Punkt auch wieder wichtig. In einem großen Teil der Kriminalliteratur geht es vor allem um die Intrige – wie spannend und überraschend sie angelegt ist. In anderer Literatur ist viel wichtiger, was der Schreiber damit über das Zusammenspiel von Menschen sagen will, wie sie miteinander umgehen, wie die Welt funktioniert und so weiter. Dann kommt noch hinzu, dass es bei „echter“ Literatur auf den Schreibstil ankommt, während das bei Kriminalliteratur viel weniger der Fall ist. Ein weiterer Unterschied ist, dass die Anzahl der stereotypen Klischees in der Kriminalliteratur im Allgemeinen viel größer ist, als in „echter“ Literatur. Das alles negiert natürlich nicht, dass keine absoluten Unterschiede innerhalb der zwei verschiedenen Typen von Literatur existieren. Deswegen gibt es auch eine Art „Zwischengebiet“, in dem sich besonders Autoren psychologischer Thriller finden lassen, aber auch zum Beispiel so jemand wie John le Carré.

Sie haben auch Kinderbücher geschrieben. Eine sicher nicht einfache Aufgabe, sich in die Sichtweise von Kindern hinein zu denken. Schließlich ist man in die Welt der Erwachsenen hinein gewachsen und vergisst mit der Zeit, was einem als Kind wesentlich erschien. Empfinden Sie das auch so und wenn Ja, hat das Ihr Vorgehen beim Schreiben beeinflusst?

Ich maße mir an zu glauben, die Welt von Kindern noch einigermaßen gut ergründen zu können, da ich selbst Vater von zwei Kindern bin und weil ich zum Beispiel als Forscher oft an Schulen gewesen bin… aber auch, weil ich jahrelang der Trainer und Leiter des Fußballteams meines Sohnes war. Auch wenn man glaubt, die Kinderwelt einigermaßen gut zu kennen, bleibt es natürlich immer noch ein Problem, damit in einem Buch, in einem geschriebenen Text anzuknüpfen.

Ihre sprachwissenschaftlichen Ambitionen galten unter anderem der Untersuchung der Straßensprache von Jugendlichen. Halten die dort gewonnenen Erkenntnisse Einzug in Ihre Romane? Inwiefern?

Im Allgemeinen hatte ich immer Interesse für gesprochene Sprache und so habe ich meine Dialoge immer an die Kenntnis auf diesem Gebiet – oder auch an die Intuition – angepasst.

Eigenheiten der gesprochenen Sprache von Jugendlichen, die sogenannte Straßensprache, habe ich unter anderem in meinem letzten Buch Loverboy verarbeitet. Das habe ich allerdings sehr sparsam getan, weil (a) die Straßensprache sich ständig verändert und (b) Übermaß hier immer eher schädlich ist; ehe man sich versieht, wird eine Figur dann zur Klischeefigur.

Wer ist Ihr bester und wer Ihr schärfster Kritiker und wie gehen Sie damit um?

Schwer zu sagen. Ich finde, dass Menno Schenke vom Allgemeen Dagblad immer ein gut abgewogenes Urteil fällt. Er begründet seine Meinung und tut das auf Basis von Elementen aus dem Buch, das er bespricht und auf Basis seiner fundierten Kenntnisse auf dem Gebiet des Kriminalromans.

Mein schärfster Kritiker ist Hans Knegtmans von Het Parool. Er ist nahezu ohne Ausnahme (ziemlich) negativ in Bezug auf meine Bücher, während ich manchmal den Eindruck habe, dass er sie kaum gelesen hat.

Und wie ich damit umgehe? Das ist schwer zu sagen. Positive Kritiken stimmen mich natürlich fröhlich. Negative wirken sich schlecht auf meinen Humor aus, aber das gibt sich nach einer Weile wieder.

In den Niederlanden gibt es zu diesen Gelegenheiten bei Einkauf von Büchern zu einem bestimmten Betrag ein Buchgeschenk. Was halten Sie von dieser Aktion der CPNB? Fördert es die Lesebereitschaft?

Ich finde, das ist eine prächtige Aktion, vor allem, weil es Publizität mit sich bringt – für das Genre als Ganzes und sicher für den Schriftsteller, der das Geschenkbuch schreiben darf.

Vom Buch, das ich für den „Monat des spannenden Buches“ im Juni 2005 geschrieben habe (Als broer en zus – Wie Bruder und Schwester), sind beinahe eine halbe Million Exemplare als Geschenk an die Leser über die Ladentheken gegangen. Das ist doch eine gewaltige Auflage!

In den Niederlanden haben Sie also zum Monat des spannenden Buches „Als broer en zus“ geschrieben und damit das Thema der Aktion, den „Mord nebenan“ oder der Mord, das „Verbrechen ganz nah“ verarbeitet. Das ist in Ihren Büchern oft ein Thema. Warum?

Tja, warum? Vielleicht, weil ich Literatur, die man auf sich selbst beziehen kann, für die schönste und interessanteste Literatur halte. Das heißt nicht, dass alles in einem Buch sich in jemandes direkter Umgebung abspielen muss, das sicher nicht. Aber es ist schon wichtig, dass man die Emotionen, Beziehungen, das Verhalten und so weiter der Figuren wieder erkennt; dass man sich darunter etwas vorstellen kann, kurzum, dass man miterlebt. Für meine eigenen Romane suche ich mir Situationen und Figuren aus, die aus der unmittelbaren Umgebung des Lesers – oder von mir selbst – stammen könnten, wobei die Situationen doch immer wieder sehr unterschiedlich voneinander sind.

Auch der Gouden Strop sollte den Niederländischen Krimi unterstützen, die Bereitschaft bei Lesern, Buchhändlern und Verlegern wecken, sich mit der eigenen Kriminalliteratur zu beschäftigen. Finden Sie als Gewinner des Gouden Strop, dieses Ziel wurde erreicht?

Das ursprüngliche Zielt des Gouden Strop hat man sicher erreicht. Viele Menschen kennen den Preis vom Namen her und können einen oder mehrere Gewinner benennen. Weiterhin bringt der Preis jedes Jahr wieder eine ansehnliche Publizität mit sich und die ist sehr wichtig, weil übersetzte ausländische Bücher, besonders ursprünglich englischsprachige, aber auch skandinavische noch immer das Genre dominieren.

Man sagt, viele Köche verderben den Brei. Trifft das auch auf das Projekt „De Dood van de Kroonprins“ zu, wo Sie gemeinsam mit 9 renommierten Kollegen an einem Kriminalroman geschrieben haben? Wie haben Sie das erfahren?

Bei De Dood van de Kroonprins (Der Tod des Kronprinzen) waren eigentlich nur drei echte Köche und 6 Helferlein dabei. Die echten Köche waren Tomas Ross, Rinus Ferdinandusse und ich. Wir haben uns die ganze Intrige ausgedacht. Die anderen sechs Autoren bekamen einen mehr oder weniger ausgearbeiteten Schreibauftrag. Es bleibt, trotz dieser Planung, dennoch sehr schwierig, gemeinsam zu neunt ein Buch zu schreiben. Darum ist dieser aktuelle, politische Thriller vielleicht nicht ganz das geworden, was wir gehofft hatten.

Was würden Sie sich von deutschen Lesern, Buchhändlern und Verlegern für Ihre Bücher wünschen?

Ich würde mir wünschen, dass mehr Menschen meine Bücher kennen lernen möchten.

Welchen Wunsch haben Sie für Ihre Zukunft als Kriminalschriftsteller?

Noch viele schöne Bücher und weiter – die tatsächliche Verfilmung eines meiner Bücher – auf die andere folgen könnten… und mehr Übersetzungen, nicht allein ins Deutsche, sondern auch in andere Sprachen, besonders ins Englische, weil die englischsprachige Welt ja doch das Walhalla der Kriminalliteratur ist.

Aber eigentlich ist das Wichtigste, dass ich den Spaß am Schreiben behalte und mich nicht verrückt mache mit Fragen nach Verkaufszahlen, Erfolg, Verfilmungen und so weiter. Einfach gesagt: Es muss schön bleiben!

Romane in deutscher Übersetzung:

  • Rachsucht, Nagel und Kimche
  • Tod im Leuchtturm, Nagel und Kimche, Knaur
  • Mord in der dritten Person, Twenne Verlag

Kinderbücher in deutscher Übersetzung:

  • Ein schrecklicher Verdacht, Nagel und Kimche
  • Gefangen in Kids City, Nagel und Kimche

Ersterscheinungsdatum: 26.9.2005 auf einseitig.info

Erschienen auch in: „Die schöne Kunst der Einseitigkeit“, Edition Einseitig, 2009

© Marie van Bilk/Maria Jürgensen – Veröffentlichungen, auch in Auszügen nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Autorin.

© Foto René Appel